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Von Steffen Kistmacher, Trainingstherapeut & Physiotherapeut, exeo Erlangen
Vortrag beim Netzwerk Bewegte Unternehmen Erlangen am 6. März 2026 im Finanzamt Erlangen. Dieser Text gibt die Kerngedanken wieder.
Wer beim Netzwerk „Bewegte Unternehmen“ mitmacht, nimmt die Gesundheit seiner Mitarbeitenden ernst. Er schafft Strukturen, er investiert Zeit, er setzt Zeichen. Das verdient Respekt — und genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen.
Denn es gibt eine Lücke. Und sie ist größer, als die meisten vermuten.
Die Einladung
Günther Beyerlorzer, Aufsichtsrat beim TV 1848 Erlangen und langjähriger Vereinskollege, hat uns eingeladen. Ort: das Erlanger Finanzamt. Anlass: ein Vortragsnachmittag des Netzwerks Bewegte Unternehmen Erlangen.
Das Netzwerk gibt es seit über zwanzig Jahren. Erlanger Unternehmen, die sich gemeinsam für betriebliche Gesundheitskultur einsetzen — mit Struktur, Commitment und quartalsmäßigem Austausch. Mehr über das Netzwerk.
Wir haben 45 Minuten bekommen. Und wir haben die Zeit genutzt — nicht für Motivation, sondern für Diagnose.
Keine Einzelfälle. Das ist das Muster.
Wir arbeiten täglich mit Menschen, die Sport treiben. Radfahren, Schwimmen, Yoga, Wandern. Aktiv im Alltag. Keine Couch-Schläfer.
Und trotzdem sehen wir, was wir sehen:
- Krafttraining im BGM als Messung: Kniebeuger, die bei 40 Kilo aufhören. Nicht weil die Beine müde sind — weil das Nervensystem nicht weiß, wie es mehr mobilisieren soll.
- Rückenprobleme bei Menschen, die dreimal pro Woche laufen gehen. Nicht trotz der Aktivität — oft auch wegen der einseitigen Belastung.
- Schulterprobleme bei Freizeitschwimmern. Regelmäßige Bewegung, aber ein Kraftprofil, das strukturelle Schwachstellen nicht ausgleicht.
Das sind keine Ausnahmen. Das ist das Muster.
Ein strukturelles Problem
Diese Menschen investieren Zeit in ihre Gesundheit. Sie glauben, fit zu sein. Das Fundament trägt nicht.
Das ist kein individuelles Problem. Es liegt nicht an der Motivation. Es liegt an den Informationen, die diese Menschen bekommen — und an der Gestaltung der Angebote, in die sie investieren. Und an einem Markt, der Bewegung belohnt, aber Krafttraining im BGM selten priorisiert.
Was wir messen — und warum Krafttraining im BGM die Lücke schließt
Im Vortrag hatten wir eine Lastzelle dabei. Sie misst isometrische Maximalkraft — was der Körper in einem definierten Zug produzieren kann. Die Messung dauert eine Minute.
Was wir damit sehen: wie weit jemand von dem entfernt ist, was sein Körper braucht — nicht um Wettkämpfe zu gewinnen, sondern um stabil, belastbar und langfristig gesund zu bleiben. Krafttraining im BGM liefert hier den fehlenden Baustein.
Der Referenzwert kommt aus der Forschung. Normative Kraftwerte, die vorhersagen, wie gut jemand nach Operationen zurückkommt, wie hoch das Verletzungsrisiko ist, wie belastbar jemand im Alter bleibt. Mehr zu den Normativen Kraftwerten.
Alter und Trainingsstand sind nicht dasselbe
Im Vortrag haben wir einen Kontrast gesetzt, der im Raum geblieben ist.
Mit zunehmendem Alter steigt in Deutschland die Pflegequote deutlich an. Das ist dokumentiert.
Gleichzeitig finishten beim Ironman 2025 auf Hawaii Frauen zwischen 55 und 75 Jahren in Zeiten zwischen 10:06 und 13:24 Stunden. Männer zwischen 55 und 75 Jahren zwischen 9:51 und 12:47 Stunden. 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Rad, 42 Kilometer laufen.
Dieselbe Lebensphase. Eine völlig andere Körperwirklichkeit.
Das Lebensjahr erklärt den Unterschied nicht. Was den Unterschied erklärt, ist der Trainingsstand. 40 Jahre nichts gemacht — oder 40 Jahre drangeblieben.
Deshalb vergleichen wir Messwerte nicht mit Altersgruppen. Wir vergleichen mit Aktivitätsgruppen. Und der Befund: Viele regelmäßig aktive Menschen zeigen Kraftwerte vergleichbar mit Inaktiven.
Das ist kein Altersproblem. Das ist ein Trainingsproblem. Und das ist veränderbar.
Krafttraining im BGM: Drei Entscheidungen für Verantwortliche
Am Ende des Vortrags haben wir drei Punkte formuliert, die BGM-Verantwortliche mitnehmen können:
1. Messen, bevor man plant. Viele BGM-Programme sind gut gemeint, aber nicht bedarfsgerecht. Eine strukturierte Kraftdiagnostik zeigt, wo der echte Bedarf liegt — nicht wo er vermutet wird. Krafttraining im BGM beginnt mit Transparenz.
2. Krafttraining im BGM als Basismaßnahme, nicht als Zusatz. Ausdauer, Yoga, Bewegungskurse — alles sinnvoll. Aber ohne Kraftaufbau fehlt das Fundament. Wir empfehlen eine klare Priorisierung: erst Kraft, dann Kondition. Das ist physiologisch begründet und in der Fachliteratur gut belegt. Biswas et al. (2025), Nature Communications.
3. Langfristig denken. Krafttraining im BGM wirkt nicht nach vier Wochen. Es wirkt nach vier Monaten — wenn es strukturiert, progressiv und begleitet ist. BGM, das auf schnelle Erfolge ausgelegt ist, wird diesen Aufbau nicht leisten. BGM, das auf strukturelle Gesundheit ausgelegt ist, schon.
Quellen
- Biswas et al. (2025): Wearable device-based health equivalence of different physical activity intensities. Nature Communications 16:8315. — https://doi.org/10.1038/s41467-025-63475-2
- Normative lower-limb strength and LSI benchmarks predicting post-knee-surgery return to activity, work, and sport. Undermind Research Report, 2026. — https://app.undermind.ai/report/…
- Netzwerk Bewegte Unternehmen Erlangen. — https://bewegte-unternehmen-erlangen.com/sponsoren-firmennetzwerk/
- ZPG Bayern — Bewegte Unternehmen: Das Erlanger Netzwerk für betriebliche Gesundheitskultur. — https://www.zpg-bayern.de/bewegte-unternehmen-1956.html